
Für seine Arbeit "The Accepted Opinion" hat
Björn Hausner mit allen am Projekt beteiligten Künstlern
ein persönliches Interview geführt und per Video
aufgezeichnet. Jedes dieser Interviews wird separat auf einem
Monitor gezeigt und so präsentiert, dass in der Installation
alle Videos gleichzeitig laufen. Bei den Antworten auf allgemeine
Fragen zur eigenen künstlerischen Position, zur Bewertung
der Rolle der Kunst in der Gesellschaft, zur Ideenentwicklung
etc. sowie zum geplanten Ausstellungsbeitrag, wurde deutlich,
dass die Aussagen der jeweiligen Künstler sehr ähnlich
oder bisweilen nahezu identisch sind und dadurch eine gewisse
Beliebigkeit und Austauschbarkeit aufweisen, positiv gesprochen
aber auch Gemeinsamkeit bezeugen.
In Folge hat Hausner den Originalton ausgeblendet und die
Äußerungen mit seiner eigene Stimme synchronisiert,
ohne aber die Inhalte zu verändern. Für den Betrachter
ist allein aus der Anschauung nun nicht mehr ersichtlich,
wessen Meinung in dem jeweiligen Interview eigentlich zum
Ausdruck kommt: Dietatsächlich geäußerte des
jeweiligen Künstlers, die von Björn Hausner, die
er seinen Interviewpartnern gegebenenfalls vorgegeben hat,
oder eine erdachte, fiktive Meinung.
Die personenbezogenen Statements der einzelnen Künstler
werden damit zugunsten eher allgemein gültiger künstlerischer
Standpunkte aufgegeben. Der Anspruch auf Individualität
und Ausschließlichkeit im künstlerischen Denken
ist zugunsten einer Vereinheitlichung mit der Synchronisation
gelöscht und somit in Frage gestellt. Gleichzeitig wird
aber auch durch die Inszenierung ein Zusammenschluss, eine
Zugehörigkeit zu einer Gruppe, nämlich zur Gemeinschaft
der Künstler zum Ausdruck gebracht.
Die Idee für die Videoinstallation "The Accepted
Opinion", in der die Darstellung der Meinungen und Gedanken
der am Projekt beteiligten Künstler das eigentliche Thema
ist, entwickelte sich während der zahlreich geführten
Diskussionen über die Inhalte des gemeinsamen Ausstellungsvorhabens.
Der "Übergriff" entspricht in diesem Projekt
einem Angriff auf die Authentizität des einzelnen Künstlers
und dessen Meinung, die durch die Verfremdung der Stimme zerstört
wird. Hinzu kommt der Aspekt, dass die Interviews vor der
eigentlichen Realisierung der einzelnen Ausstellungsbeiträge
geführt wurden und damit im Vorfeld eine Beschreibung
der Arbeiten liefern. Die Interviews zeugen damit auch vom
Wandel, der Entwicklung und Neuorientierung der künstlerischen
Standpunkte in Bezug auf den Beitrag zur Ausstellung UEBERGRIFFE.
© 2002 Birgit Albers
UEBERGRIFFE
Maximiliansforum München
Fußgängerunterführung Maximilianstraße/Altstadtring
18. Mai - 2. Juni 2002
www.uebergriffe.de
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